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Die große Not der Studierenden: Wohnung dringend gesucht!

Von Michael Hollinde

Bezahlbarer Wohnraum für Studenten ist sehr rar – Bedarf in der Hansestadt steigt über die Jahre immer mehr – Studentenvertretung appelliert an Politik in Stadt und Land – Schnelle Lösung nicht in Sicht

Lübeck. Die Wohnungsnot ist eklatant. „Gerade in den ersten Semesterwochen landen regelmäßig – bei 900 bis 1000 Studienstartern – über 100 Anfragen per E-Mail und Telefon bei uns. Dabei muss man berücksichtigen, dass viele auch noch gar nichts von unserer Unterstützung wissen, wenn sie auf den Campus kommen“, sagen Florian Marwitz und Jessica Gilmore, die als Duo dem Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der Uni Lübeck vorstehen.

 

Alle Ratsuchenden würden dringend eine Bleibe für ihr Studium in der Hansestadt suchen – ob Einzelwohnung, WG oder Wohnheim. Deshalb habe man bereits vor einiger Zeit die Aktion „Deine Couch für Erstis“ ins Leben gerufen, um überhaupt notfallmäßig etwas anbieten zu können.

 

Wohnraum-Problematik seit vielen Jahren bekannt

 

Gilmore setzt nach. „Durch die Bank ist das hier über sehr viele Jahre ein Problem gewesen“, resümiert die Medizinstudentin. Das könne der freie Markt einfach nicht lösen; da müsse sich endlich massiv die Politik einschalten. Dies haben sie auch schon persönlich Bildungsministerin Karin Prien (CDU) mit auf den Weg nach Kiel gegeben, als diese beim Uni-Jahresempfang war.

 

Wie groß die Verzweiflung oft ist, kennt das Tandem aus zahlreichen Erzählungen. Und auch beim Asta der benachbarten TH laufen immer wieder viele Notrufe auf. Asta-Vertreterin Nathalie Reinhold hat zum Gespräch ihre Kommilitonin Anni Günther mitgebracht. Diese ist im zweiten Semester im Studiengang Betriebswirtschaftslehre (BWL) eingeschrieben.

 

Gehaltsabrechnungen der Eltern helfen

 

„Es war eine Katastrophe; ich habe partout nichts gefunden, ständig Absagen kassiert, sodass ich die erste Zeit aus der Nähe von Grevesmühlen nach Lübeck pendeln musste; und in Mecklenburg-Vorpommern gilt das Semesterticket nicht“, berichtet sie. Zum Glück sei durch Corona vieles auch digital gelaufen. Schließlich habe sie zweieinhalb Monate auf einer Couch bei einer Freundin die Nacht verbringen können, und dank eines Tipps lebe sie nun in einer WG.

 

„Was man auch immer wieder erzählt bekommt, ist, sobald berufstätige Interessenten oder Paare bei den Besichtigungen im Spiel sind, wird Studierenden signalisiert, dass sie wahrscheinlich keine Zusage bekommen werden“, weiß Gilmore zu berichten. Wenn dann allerdings Gehaltsabrechnungen der Eltern vorgelegt werden können, laufe es meist erheblich besser.

 

Studentenwerk möchte unbedingt Wohnheim bauen.

 

Ihr klinge noch der Satz einer Lübecker CDU-Politikerin in den Ohren, die sich vor der Landtagswahl mit Politikern anderer Parteien im Audimax einer Podiumsdiskussion gestellt habe. „Sie äußerte als eine Ursache der Wohnungsnot, dass fast alle Studenten auf der Altstadtinsel wohnen möchten, statt in den Wohnheimen in St. Jürgen.“ Ein Statement, das sie nahezu fassungslos gemacht habe.

 

Warum? Studentenwohnheime sind nach wie vor Mangelware, und die Wartezeit für einen Platz dort ist mit mehreren Monaten immens. „Leider ist seit Jahren kein neues Wohnheim in Lübeck gebaut worden, obwohl dies dringend nötig wäre, und wir auch sehr gerne und jederzeit bauen würden, was den Entscheidungsträgern bekannt ist“, sagt Kerstin Klostermann, Sprecherin des Studentenwerks Schleswig-Holstein.

Es mangele leider an dem passenden Grundstück. „Wir haben unlängst Interesse an dem stadteigenen Grundstück im Bornkamp bekundet und wurden hier in die Erstellung des B-Plans einbezogen. Nach wie vor gibt es jedoch leider kein Baurecht“, konstatiert Klostermann. Laut letzter Auskunft der Stadt soll die Erschließung dieses Baugebietes voraussichtlich erst im Jahr 2023 erfolgen.

 

Stadtsprecherin Nicole Dorel erwähnt zudem auf LN-Anfrage das Baugebiet Nördliche Wallhalbinsel mit 70 projektierten Studierenden-Apartments. Und auch in der Ratzeburger Allee durch den Lübecker Bauverein sowie in der Paul-Ehrlich-Straße sei Wohnraum für Studentinnen und Studenten in Planung, sagt die Sprecherin.

 

Planungen ziehen sich noch hin

 

Im Dezember 2020 hatten TH, Uni und Musikhochschule eine Art Wohnraum-Pakt mit der Stadt geschlossen. „Denn die rund 11 000 Studierenden sollen gerne und gut in Lübeck studieren“, hieß es damals. Doch die Realität hat die Protagonisten eingeholt. „Leider handelt es sich um sehr langwierige Prozesse. Diese sind angestoßen worden, aber realistisch ist es nicht, dass schon demnächst Wohnraum für Studierende entsteht“, so die nüchterne Bilanz von Uni-Pressesprecherin Vivian Upmann.

 

Quellenangabe: Lübeck vom 18.06.2022, Lübecker Nachrichten, Seite 8

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